Donnerstag, 28. Januar 2016

Nackt sein können wollen

Ich lache mehr Minuten über Dinge, die nicht witzig sind, aber irgendwie lache ich vielleicht nicht deshalb. Ich lache ein bisschen, weil ich erleichtert bin. Weil ich erleichtert bin, dass du da bist, trotzdem und immer noch und nach allem. Ich lache, weil ich übermüdet bin und Angst habe, nicht zu lachen. Irgendwann mal hat es sich angefühlt wie zu schnelles Atmen. Wie stolpern. Jetzt stolpere ich umher und du bist da und packst mich in Watte, ich packe mich aus und dich ein und wir pellen uns beide aus der Watte und beschweren uns über sie. Es gibt eine eigene Sprache, es gibt Badewannen und Fische, Enten und Herzen, die besser und schlechter sind, kranke Herzchen und leere und auslaufende und kalte.
Ich schlage meine Füße nervös gegen die Heizung und du sagst irgendwann, du hättest das registriert, analysiert und als ungefährlich eingeschätzt. In dem Moment wird mir ganz warm, weil ich  mich so sicher fühle, als würdest du auf mich aufpassen, der Konjunktiv ist falsch an der Stelle, wie häufig ich mir schon schaden gewollt und deine Stimme meine Hände vorsichtig vor mir weggelenkt hat, wie du mir Klingen aus der Haut genommen hast nur mit Worten und gesagt, ich bin nicht gut im mit Worten umarmen, aber das bist du doch. Und eigentlich bist du schon neben  mir eingeschlafen und hast mit mir zusammen geatmet, als ich nicht mehr wollte, und du hast mich zickig erlebt und todtraurig und du hast mich mit Worten gehalten und ich dich, wenn du gar nicht mehr da warst.
Für mich bist du nicht unsichtbar. Und nicht egal. Du bist nur die wunde Stelle, einer der vielen wunden Stellen, du bist zu ihr geworden in dem Moment, in dem du mir nicht mehr egal warst, als du von einer Bekanntschaft zu einer Freundin wurdest, die da war und mich so nackt gesehen hat und lieb hatte.
Menschen zu lieben und von Menschen geliebt zu werden, so sehr, dass man es fühlt, das macht verwundbar, verletzlich, das drückt und zerrt am Sterbenwollen, nimmt ihm seine Radikalität, seine Unverrückbarkeit, es rückt es einen Moment von einem festen Plan in ein Vielleicht.
Du bist eine Bedrohung für die Dunkelheit in mir, aber sollte ich sie besiegen wollen, ich wüsste, du wärest da.
Ich habe dich unfassbar lieb.

2 Kommentare:

  1. Anna,

    dein Text berührt. Es ist so schön, solche Menschen zu finden.

    Und... nun ja. Ich glaube, die Alex, die ich sehe, gibt es so gar nicht. Ich sehe nur, was ich sehen will und außerdem habe ich viel zu viel Angst, ihr zu erzählen, wie wichtig sie für mich ist. Selbst wenn sie meiner totalen Idealisierung gerecht werden könnte und wollte, würde ich ihr keine Chance geben. Weiter schweigen und stumm die Hände auf meinen Rücken fesseln, damit ich sie nicht nach ihr ausstrecken kann.

    Pass auf dich auf <3

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