Mittwoch, 27. April 2016

Nicht von dieser Welt

Da sind Geschäfte, da sind Schaufenster, in denen ich mich spiegele, da ist ein kritischer Blick, der mein Spiegelbild mustert. Da ist Werbung, da ist ein Absatzklackern und eine Lautstärke, die zwischen meinen Ohren hin und her hallt, wie Wellen, hin und her, hin und her. Da sind Kopfsteinpflaster und eilige Menschen. Da bin ich.

Wenn ich durch die Straße laufe, die Jacke offen - zu - offen - zu, meine Hände in den Taschen vergraben, den Blick gesenkt, was keiner sieht, eine Panik, die hinter den Augenlidern flattert, sich auf das Gehen konzentriert.

Dann denke ich, wenn ihr wüsstest. Wenn ihr wüsstet, wie schwer, wie schwer, hier rauszugehen, wie schwer überhaupt aufzustehen, wie viel Angst mir jeder von euch macht, nur weil er da ist und atmet und schwitzt und lacht und läuft und existiert (so wie ich.)

Wenn ihr wüsstest, wie viel mich ein Lächeln an den Verkäufer kostet und wie ein unfreundliches Wort mich in die feinen Asphaltrillen stürzt, beinahe bis ganz unten, dann pralle ich am Erdkern ab und möchte mich dort ausruhen.

Wenn ihr wüsstet, ihr Menschen, ihr anonymen Massenteilchen, wenn ihr wüsstet, welch ein Alien unter euch weilt.

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Ich werde bei diesem Gang durch die Straße, der mich alle Tagesenergie kostet und die anderen nur eine ihrer wertvollen Zeitstunden, bei diesem Gang durch die Straße, der gezwungen und immerhin schon tagelang hin geschoben wurde.

Ich werde an Menschen vorbeigehen (den Blick auf den Boden gerichtet), sie werden an mir vorbeieilen (den Blick auf den Boden gerichtet), vielleicht stoßen wir sogar versehentlich mit den Ellbogen aneinander, und ich werde denken, wenn du wüsstest, was das für mich bedeutet, dich zu berühren.

Und du wirst denken, wenn du wüsstest, wie schwer mein Aufstehen ist, wenn du wüsstest, wie schuldig ich mich ob dieser Berührung fühle, wie peinlich berührt, wenn du wüsstest, der Kontakt unserer Ellbogen stürzt mich hinunter, bis an den Erdkern.

Und die ganze Stadt ist voll von Aliens, die sich als Menschen tarnen. Sie richten den Blick auf den Boden und denken: Wenn ihr alle wüsstet.

Wir waren nie allein.

1 Kommentar:

  1. Das klingt echt gut. Ich werde gleich noch ein bisschen hier rumstöbern. Mal sehen, vielleicht wirst du ja noch ein Kommentar zwischen deinen Zeilen finden;3
    Vielleicht findest du ein wenig Zeit und schaust bei meinem Blog: "Der Weg meiner Gedanken" vorbei.
    Würde mich freuen.
    Man sieht sich:)
    LG, Sternenjägerin

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