Es gab Regeln, unausgesprochene Regeln. Wenn einer von uns beiden aufsteht und in das andere Bett kriecht, rückt man weg und teilt seine Decke. Wenn einer nicht schlafen kann, erzählt der andere Geschichten oder spendiert eine kostenlose Rückenmassage, bis der andere schläft. Bis heute kenne ich die Stellen und Arten, wie ich über seinen Rücken streichen müsste, um an seinem gesamten Körper diese süße Gänsehaut auszulösen. Er kennt die Arten, in denen ich es mag, gehalten zu werden und weiß, welche körperliche Nähe ich nicht ertrage.
Kennt ihr das Gefühl, wenn man die perfekte Schlafposition gefunden hat? Wenn man grade so liegt, dass man weiß, man darf nicht einmal mit dem Zeh wackeln, um es nicht zu zerstören? Wir nannten diesen Zustand "eingemummelt sein". Bis zu meinen Jugendjahren wusste ich nicht, dass das gar keine offizielle Definition ist (sie sollte eingeführt werden, es fehlt doch ein Begriff für diesen Zustand).
Ging es nun darum, einer muss das Licht noch ausmachen oder das Fenster zu oder was auch immer, wenn wir darüber sprachen, wer nun aufstehe und einer von uns beiden sagte, er wäre grade eingemummelt, dann war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass der andere aufstehen muss. Eingemummelt sein bedeutet sogar, wenn der andere in dein Bett klettert, muss du nicht zur Seite rücken und derjenige muss vorsichtig dazukriechen, ohne dich viel anzustoßen.
Depressionen haben fühlt sich manchmal so an, wie ein konstantes Eingemummeltsein. Egal, wo ich mich hinsetze oder hinlege, ich falle sofort in diesen Zustand. Ich kann nicht aufstehen, ich bin eingemummelt. Ich kann nicht einmal den Kopf drehen. Fass mich nicht an, sprich mich nicht an, sei vorsichtig, nimm Rücksicht, ich bin eingemummelt.
Vielleicht aber habe ich mich in meine Traurigkeit und Müdigkeit eingemummelt. Vielleicht ist es mir hier zu bequem geworden.
Und ich weiß langsam nicht mehr, ob es gut ist, dass mein Umfeld für mich aufsteht und das Licht ausmacht.
Das ist eine wunderschönetraurige Definition von Depression.
AntwortenLöschenTatsächlich ist es manchmal vielleicht gar nicht verkehrt, wenn man durch die Umstände gezwungen wird, selbst aufzustehen und das Licht auszumachen. So sehr ich den Zustand des Eingmummelt-Sein kenne und schätze, ich wünsche Dir, dass Du daraus erwächst, denn das Leben hat so viel zu bieten, auch Dir. Liebe Grüße, Pirandîl
AntwortenLöschenTraurigschön... übrigens, ich bezeichne diesen Zustand ebenfalls als "eingemummelt sein" ;)
AntwortenLöschen